Page 36 - Airpower in 20th Century - Doctrines and Employment
P. 36
36 airpower in 20 Century doCtrines and employment - national experienCes
tH
auch durch das ständige Verschieben von operativen Schwerpunkten, je nach poli-
tischer Notwendigkeit, in eine jahrzehntelange Diskussion, die sich immer wieder
aufs Neue entzünden sollte.
1.1. Phase 1: Aller Anfang ist schwer… (1955-1960)
Der erste Schritt der Entwicklung manifestierte sich in dem Versuch der Luftstreit-
kräfte, innerhalb des neu entstehenden Bundesheeres einen Platz zu finden. Mangels
klarer Zielvorgaben versuchte man jedoch gerade in den ersten Planungen, möglichst
das gesamte „Luftkriegsspektrum“ abzudecken und daher einen sehr umfangreichen
11
strukturellen Rahmen zu fordern. Genau dieser alle Teil- und Aufgabenbereiche
überspannende Ansatz sollte sich letztendlich als verheerend herausstellen, da dieser
kleinere Planungsschritte verhinderte. So mussten diese hochtrabenden Pläne aus
dem Jahr 1955, nur ein Jahr später der Realität weichen. Österreich hatte weder Ma-
terial, geschultes Personal noch finanzielle Mittel, war solchermaßen im Luftraum
12
handlungsunfähig und auf Hilfe von außen angewiesen. Diese kam aus den USA, in
Form des „Military Assistance Programs“ (MAP), das gleichermaßen dem gesamten
im Aufbau befindlichen österreichischen Heer zuteil wurde. Für den Luftraum sah
die amerikanische Hilfestellung ursprünglich einen durchwegs großen und kampf-
kräftigen Rahmen, in Form von „[…] rund drei Staffeln (54 Maschinen) F-86F [Sa-
13
bre] und 30 bis 40 F-84F [Thunderstreak] […]“ , vor. Mit Blick auf die UdSSR
und deren Befürchtung, dass Österreich einen allzu prowestlichen Kurs einschlagen
könnte, wurde dieses Angebot jedoch von politischer Seite ausgeschlagen respektive
von den USA nicht mehr weiter forciert. So waren die einzigen luftspezifischen Ge-
räte, die in den späten 1950er Jahren Österreich erreichten, sowohl sowjetische als
auch amerikanische Schulflugzeuge, teilweise erheblich veraltete leichte und mitt-
14
lere Fliegerabwehrgeschütze sowie Radaranlagen. Bis in die 1960er Jahre war man
damit im Aufbau begriffen und konnte daher die luftspezifischen Aufgaben in keiner
Weise erfüllen. Zudem machte den Luftstreitkräften die Typenvielfalt, die sich durch
das regelrecht „Sammeln“ von Geräten und Ausrüstungen ergeben hatte, zu schaf-
fen. Allein der fliegerische Bereich umfasste vierzehn verschiedene Flugzeug- und
11
Vgl. Wolfgang Hainzl, Die Fliegerkräfte Österreichs 1955 bis heute, Linz 1986, S. 20f. Es ist dies
der erste Entwurf einer möglichen Organisation der Luftstreitkräfte aus dem Jahr 1955 (BKA-LV,
III/L-geh. 55), der sehr stark auf dem Konzept der Luftstreitkräfte aus dem Jahr 1936 basierte.
12
Österreich war im Zeitraum von 1945 bis 1945 mit der B-Gendarmerie lediglich am Boden, nicht
jedoch im Luftraum präsent gewesen, was sich besonders im Verlust von spezifischem Wissen noch
aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges manifestierte. Vgl. Walter Blasi, Die B-Gendarmerie. Die
Vorläuferorganisation des Österreichischen Bundesheeres, in: Etschmann/Speckner (Hrsg.), Zum
Schutz der Republik Österreich…, S. 59ff.
13
Korkisch, Die Luftstreitkräfte der Republik Österreich 1955 bis 2005, S. 287.
14
Es handelte sich dabei neben anderen vor allem um 29 Cessna L-19 „Bird Dog“, sechs De Havilland
Canada L-20 „Beaver“, zehn North American LT-6G „Texan“, 17 Bell H-13H „Sioux“ amerika-
nischer sowie vier Yak-18 und vier Yak 11 sowjetischer Provenienz.

