Page 51 - Airpower in 20th Century - Doctrines and Employment
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neutraler luftraum. die entwiCklung und zäsuren der ÖsterreiCHisCHen luftstreitkräfte ... 51
diese alte Diskussion – zunächst aus den Reihen des Heeres – wieder neu aufgewor-
fen. Sehr schnell schlossen sich andere Bereiche wie die Fliegerabwehr und letztlich
die Panzerabwehr, an. Ab 1985 erlangte dieses Thema offensichtlich im Zuge der
vorherigen „Draken“-Diskussion und der starken Verquickung mit Fragen der ös-
terreichischen Sicherheitspolitik, eine erhebliche Präsenz in der nationalen Medien-
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landschaft. So bekräftigten die Befürworter der Lenkwaffen deren Notwendigkeit
für den Schutz der Neutralität im Luftraum, während die Gegner einen Bruch mit den
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Richtlinien des Staatsvertrages sahen. Damit nahm die Diskussion in dieser Phase
eine ganz neue Qualität an, die sie erheblich von jener in den 1950er und 1960er
Jahren geführten Debatte unterschied. 1987, kurz nach der Ernennung von Robert
Lichal zum Bundesminister für Landesverteidigung, wurde eine Beschaffungskom-
mission eingesetzt, die für alle Bereiche einen Lenkwaffenkauf planen sollte. Lichal,
ein Befürworter des Ankaufs, argumentierte damit, dass „[…] Lenkwaffen […] für
das Überleben unserer Soldaten von entscheidender Bedeutung [sind], ohne sie wä-
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ren unsere Söhne schutzloses Kanonenfutter.“ Mit dieser Diktion und der allgemei-
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nen Wortschöpfung „Abwehrlenkwaffe“ sollte die neutralitätspolitische Bedeutung
zusätzlich unterstrichen werden. Doch auch im endlich einsetzenden Beschaffungs-
vorgang kam es, nachdem bekannt wurde, dass nicht für alle Bereiche ausreichend
finanzielle Mittel vorhanden waren, sehr schnell zu einem Tauziehen zwischen Heer
und Luftstreitkräften, welches die Panzerabwehr für sich entscheiden konnte. Noch
1989 wurde die schwedische Panzerabwehrlenkwaffe RBS-56 „Bill“ unter der öster-
reichischen Bezeichnung PAL 2000 beschafft; die beiden anderen Lenkwaffenberei-
che gingen leer aus. Nur ein Jahr später wurde das Lenkwaffenverbot des Staatsver-
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trages für obsolet erklärt. Die Luftstreitkräfte erschienen zu diesem Zeitpunkt als
der große Verlierer, bis die Slowenienkrise 1991 die Karten neu verteilte. Mit einer
zwar neuartigen, aber dafür unmittelbar greifbaren Bedrohung an der österreichi-
schen Grenze und auch im Luftraum änderte sich die zuvor eher negative Haltung
der Öffentlichkeit, die vor allem in der medialen Berichterstattung spürbar wurde.
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Zudem deckte die Krise die erheblichen ausrüstungstechnischen Mängel auf: Die
Fliegerabwehr hatte Objektschutz zu betreiben, es fehlten dazu aber die geeigneten
und modernen Waffensysteme, die „Draken“ waren zwar im Luftraum präsent, je-
85 Vgl. Hoffmann, Von Radar Raketen und Neutralität…, S. 96ff.
86 In den Medien wurde fälschlicherweise immer wieder vom Bruch der Neutralität gesprochen, in
der selbstverständlich nie ein Lenkwaffenverbot verankert war, was aber auch in Nachfolge der
Drakenbeschaffung wesentlich emotionaler aufgefasst wurde als etwa eine Staatsvertragsdebatte.
Exemplarisch vgl. Hans Saringer, Gefasel von Raketen, in: Neue Zeit, 18.06.1986.
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Minister Robert Lichal in Tirol: Brauchen Lenkwaffen für die Sicherheit unserer Soldaten, in: Ti-
roler Tageszeitung, 31.03.1987.
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Hannes Haas, Konflikt statt Konsens? Die Abwehrlenkwaffen-Diskussion in den österreichischen
Printmedien, unveröffentlichtes Manuskript, Wien 1989, S. 17.
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Vgl. Stourzh, Um Einheit und Freiheit, S. 776ff.
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Vgl. Der Star heißt PAL 2000, wiegt 47 Kilogramm, kann Panzer knacken, Der Standard vom
03.07.1991.

