Page 353 - 1992 - XVIII Congresso Internazionale di Storia Militare
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      F.JNSCHATZUNG OF.S ~Mf.kiKANISCHEN KRIECSPOTENTTALS
      was  materiell  und pecsonell  noch  moglich  war.  Was der Gegner  ins f eld stelJce,
      war bei dieser An des Denkens nichr so wichrig. Von hier bis zur DolchsroBiegen·
      de war der Weg nichr weit,  nachdem die  lllusionen mit Ludendorffs Fordecung
      eines soforcigen WaffenstiJlstandes Eode September 1918 in sich zusamrneogefa[.
      len  waren.
          Es erhebr sich nun die Frage, wieso di.e Obersre Heeresleitung den Faktor Ame·
      rika auch im leczten Kriegsjahr noch so gering einschaczen konnte und warum eioe
      solche Haltuog rucht auf groBeren Widerstand etwa seirens der politischen Fi.ih·
      rung und der wirrschaftlich einf1uBreichen Schichten craf.  Dazu !sr es norig,  her·
      auszufinden, was die  einzelnen  Personlichkeiten  und  Gru.ppen,  auf die es harre
      ankommen konnen,  i.iber  Amerika  u.nd  die Amerikaner dachten.
          Der in seinen polirischen  Ansichren eher gemaBigre Kronpri112  warnre wie·
      derholt vor dem Versagen des U-Boor-Krieges  und  davor,  "die grol?.arùgen  Lei·
      stungen" der amerikanischen Ri.isrungsindusrcie zu verkennen.  Er  forderre  einen
      Verscandigungsfrieden  und wies seineo Vater, den Kaiser, da.raufhio, dal?. Ameri·
      ka ungebrochen sei und gewaltige Aosrrengungen in jeder Hinsichc entwickJe. ·Sei n
      AppeU blieb ohne Erfolg 09l. Ahnlicb realistisch urreilre Kronprinz Rupprechr von
      Bayern und warme den Reichskanzler vor einer We.iterfiihrung des Krieges. Seine
      Auffassung unrerbreitete er auch dem Kaiser, Ludendorff un d dem Konig von Bay·
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      ern < 0).  Generaloberst von Einem, Oberbefehlshaber der  3. Armee, erkannre schon
      Anfang Juni  1918 die eotsclleidende  Bedeurung des amerikanischen Eingreifens
      und rechnete nicht mehr mìt  einem Sieg, wahrend Genera! Groener bei gleicher
      Erkenmnis dennoch nicht mie eìnem schnellen Zusammenbruch Deutschlands rech·
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      nere <2 ).  Das Offizierkorps der Armee war volkswinschafclich und rechnisch nichr
      so ausgebildet, da~ es in der Lage gewesen ware, das amerikanische Wircschafcspo·
      remial richtig eìnzuschac~en bzw. von Einzelerscheinungen auf den katasrrophalen
      Umfang der deurschen Wirrschafrskrise schlieBen zu ki:innen.  So glaubre der ehe·
      malige deutsche Macine-Artaché in den U.S.A, Kapiran z.S.  Karl Boy-Ed, nodt im
      Mai 1918 Flichr an eine nennenswene Erhohung der amerikanischen Srahlproduk·
      rion un d  des dortigen Schiffsbaus. Mebr a.ls  500 000 Ma nn wiirden  nichr nach Eu·
      ropa kommen,  und  "unseren Sieg vermogen auch dìe Vereinigren Sraaren  ruchr
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      aufzuhalten" < l. Viele andere Offizief'e iiberschaczen ebenfalls di e deursche Kraft
      und erkannren den hohen Grad der Erschopfung der eigenen Truppen  zu spii.L
      Miliciirs und Politiker verrrauren so sehr auf das miliriirische Genie Ludendorffs,
                                       2
      daB  sie i hm  ruchr emgegemucreren wagcen < 3l.
          Allen voran glanzre der Kaiser durch eine riefe Unkennrnis der gefàhrdereo
      deurschen Wirtschafrslage und durch eine Oberschatzung der deutschen Krafr. En·
      de ]uni  1918 schrieb er  in  einem Aufruf an Heer und Marine:  "Uns schcecken
      rucht amerikanische Heere, nichr zahlenmiiBige  Obermachr, es isc der Geist, der
      die Entscheidung bringr!"  Der einfluBreiche Reeder  Ballin fand den Kaiscr noch
      Anfang September 1918 "sehr mi{;orienciert und in gehobene.r Stimmung". Er lebre
      "in a fool's paradise" und i.ibersa.h. wie weirgebend England durch die U.S.A. ge·
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