Page 42 - Airpower in 20th Century - Doctrines and Employment
P. 42
42 airpower in 20 Century doCtrines and employment - national experienCes
tH
wurde. Einzelne Komponenten wie etwa die passive Luftraumüberwachung, für die
der politische Wille gegeben war, erfuhren nach wie vor eine Aufwertung. Aber so-
wohl die zwischenzeitlich wieder erwachte Lenkwaffendiskussion, wie die Frage
nach Überschall-Abfangjägern wurde vorerst auf Eis gelegt. Eine Sonderrolle spielte
die Fliegerabwehr respektive die Luftabwehr, die größtenteils nach wie vor bei den
mechanisierten Verbänden organisiert war. Nach und nach wurden über die Flie-
gerdivision einzelne Luftabwehrbataillone aufgebaut, welche die Kernaufgabe des
Objektschutzes erhielten. Damit war die Fliegerabwehr definitiv nicht nur in ihrer
grundsätzlichen Aufgabe, sondern auch in ihrer Struktur vollständig zweigeteilt, was
zu einem Hemmnis in der Entwicklung der Waffengattung und einem Tauziehen bei
Rüstungsbeschaffungen führte. 41
Das Luftkriegswesen war Ende der 1970er Jahre auf einem so geringen Niveau,
dass ein neuerlicher Aufbau kaum mehr möglich erschien. Über mehrere sogenannte
42
„Arbeitsgemeinschaften Luftraumverteidigung“ (AG-LRV) versuchte man den-
noch eine generelle Bearbeitung und Neupositionierung zu erreichen. Jedoch auch
im Landesverteidigungsplan, der 1978 erstellt und 1983 verfügt wurde, fehlte die
Luftraumverteidigung völlig: „Man beschränkte sich auf die [Wahrung der] Luft-
hoheit im Neutralitätsfall ohne zu erklären, wie Letzteres ohne Luftverteidigungs-
43
kräfte möglich sein würde.“ Damit hatte man den Luftraum aus dem letzten, im
Landesverteidigungsplan prioritär gereihten Einsatzfall, dem Verteidigungsfall, her-
ausgenommen, gestand aber zumindest für den Krisen- und den Neutralitätsfall eine
gewisse Relevanz der Bereiche Luftraumbeobachtung und Identifikation von Luft-
fahrzeugen ein. Diese Definition war auf die Aufgaben der Luftraumüberwachung
44
zugeschnitten. 1983 wurde das Flugmelderegiment zum Kommando Luftraumüber-
wachung (LRÜ), womit zumindest die passive Komponente vorhanden und im wei-
teren Aufbau begriffen war. Diese musste jedoch wirkungslos bleiben, da man auf
keine aktiven Komponenten zurückgreifen konnte. Letztlich brachte dieser Umstand
die erneute Abfangjägerdiskussion ins Rollen, die 1985 zur Beschaffung von Saab
35 OE „Draken“ führte, deren möglicher Ankauf bereits bei vorherigen Abfangjä-
gerdiskussionen Gesprächsthema gewesen waren. Die Frage nach einer den Aufga-
45
ben angepassten Bewaffnung blieb freilich ungeklärt. Das die Begrüßung der ersten
Überschalljagdflugzeuge in Österreich sowohl vonseiten der Bevölkerung als auch
der Politik mehr als frostig verlief, legt ein Zeugnis über die allgemeine, beinahe in
41 Im Bereich der Rüstungsbeschaffungen ergab sich im Bereich der Fliegerabwehr vor allem die
Konkurrenz zwischen Fliegerabwehrpanzer- und Lenkwaffenankauf, ausgerichtet an den jeweili-
gen Aufgaben. Vgl. Georg Hoffmann, Von Radar Raketen und Neutralität… Auswirkungen und
Lösungen von politischen Aufgabenstellungen auf der militärischen Ebene der Waffengattung
Fliegerabwehr, mit dem Schwerpunkt der Zweiten Republik von 1955 bis 2006, unveröffentlichtes
Manuskript, Graz 2007, S. 58ff.
42
Vgl. Korkisch, Die Luftstreitkräfte der Republik Österreich bis 1978, S. 230f.
43
Hoffmann/Schulz/Goll (Hrsg.), Österreichische Luftstreitkräfte 1955 – 2005, S. 26.
44
Vgl. Hainzl, Die Luftstreitkräfte Österreichs 1955 bis heute, S. 80.
45
Vgl. Ebenda, S. 187ff.

