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neutraler luftraum. die entwiCklung und zäsuren der ÖsterreiCHisCHen luftstreitkräfte ... 45
stärker waren jedoch die Folgewirkungen, die diese Krise für die Österreichischen
Luftstreitkräfte mit sich brachte. Zum einen nahm die österreichische Öffentlich-
keit diese bemerkenswerte Sorg-, gefolgt von Machtlosigkeit im Luftraum wahr und
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diskutierte diese auch breit, und zum anderen bot der sowjetische Verteidigungs-
minister Malinowski nach diesen Vorfällen an, „[…] gerne mit der Überwachung
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und Sicherung des Luftraumes [zu] helfen.“ Diese beinahe als Drohung formulierte
Aussage, verfehlte ihre Wirkung nicht und erzeugte eine spezifische Sensibilität für
die Überwachung des Luftraumes, die ab diesem Zeitpunkt aufgebaut, auch zu einer
besonderen operativen Aufgabe der Luftstreitkräfte wurde. 56
In den 1960er befanden sich die Luftstreitkräfte bereits in einer Umbruchpha-
se, die sich in erster Linie in Umstrukturierungen, in denen einzelne Teilbereiche
den Luftstreitkräften entzogen wurden, manifestierte. Die Luftraumüberwachung –
wenngleich noch im Aufbau befindlich – und die damit zusammenhängende Luft-
raumverteidigung waren zum Schwerpunkt der operativen Aufgaben geworden. In
diesem Sinne war auch die politische Entscheidung getroffen worden, mit den J-29F
„Tunnan“ die ersten Kampfflugzeuge anzukaufen, die jedoch keine adäquate Be-
waffnung erhielten. Dennoch fühlte man sich zu Beginn des Jahres 1968, als sich
mit den Ereignissen des „Prager Frühlings“ in der ČSSR eine Krise anzukündigen
begann, gut vorbereitet. Dieser Eindruck entstand jedoch vor allem deshalb, weil
man einen möglicherweise kommenden militärischen Einsatz von Truppen des War-
schauer Paktes nur am Boden erwartete. Die militärischen Vorausplanungen und die
Einsatzpläne sahen so etwa die Luftstreitkräfte zunächst nicht im Verteiler vor. 57
Als am 21. August 1968 Truppen des Warschauer Paktes die Grenze zur ČSSR
überschritten, war die Bedrohung sofort auch in Österreich spürbar und zunächst
durch sowjetische Panzer, die an den Grenzübergängen zu den österreichischen Bun-
desländern Oberösterreich und Niederösterreich innerhalb kürzester Zeit Stellung
bezogen, dann vor allem aber durch teilweise gravierende Luftraumverletzungen,
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erkennbar. Die Krise traf Österreich trotz der lange Zeit sichtbaren Genese den-
noch unvorbereitet. Zwar wurden das Bundesheer gemäß den Einsatzplänen sofort
54 Vgl. Die Presse vom 20.07.1958.
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Hainzl, Die Luftstreitkräfte Österreichs 1955 bis heute, S. 40.
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Die große Zahl an US-amerikanischen Überflügen im Zuge der Libanonkrise hatten nicht nur die
österreichische Souveränität verletzt und zu Verstimmungen zwischen Wien und Washington ge-
führt, sondern auch zu einer strengeren Auslegung der Neutralität. Gleichzeitig wurden auch die
beschränkten Möglichkeiten des Österreichischen Bundesheeres, Luftraumverletzungen zu ver-
hindern, sichtbar. Vgl. Blasi, Die Libanonkrise 1958, S. 239f und 256ff.
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Vgl. Georg Hoffmann, Luftraum in der Krise. Österreichische Sicherheitspolitik am Beispiel des
ČSSR-Einsatzes 1968, in: Journal for Intelligence, Propaganda and Security Studies (JIPSS) 1/2009,
S. 101.
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Vgl. Georg Hoffmann, Der Luftraum als Krisenraum. Luftraumverletzungen und Reaktionen (21.
August – 17. September 1968), in: Horst Pleiner/Hubert Speckner (Hrsg.), Zur Verstärkung der nörd-
lichen Garnisonen… Der „Einsatz“ des Österreichischen Bundesheeres während der Tschechenk-
rise im Jahr 1968, Wien 2008, S. 366ff.

