Page 43 - Airpower in 20th Century - Doctrines and Employment
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neutraler luftraum. die entwiCklung und zäsuren der ÖsterreiCHisCHen luftstreitkräfte ...  43


            die Bedeutungslosigkeit abgesunkene Auffassung der Wichtigkeit des Luftraumes
            ab. Um diese Einstellung zu ändern benötigte es einen erneuten Ernstfall, in wel-
            chem dem Luftraum eine augenscheinliche Bedeutung beigemessen werden sollte.
               Als im Jahr 1991 im südlichen Nachbarland Slowenien Kampfhandlungen aus-
            brachen, war eine weitere Zäsur in der österreichischen Sicherheitspolitik erreicht.
            Der Ostblock war zerfallen und die klassische, über Jahrzehnte aufrechterhaltene
            Bedrohung aus dem Osten nicht mehr existent. Sie wurde durch regionale Konflikte,
            die sich aus der destabilisierenden Wirkung des Umbruchs ergeben hatten, verdrängt.
            Die verschiedenen Einsatzfälle der „Raumverteidigung“ griffen in diesen Szenarien
            nicht mehr, weshalb Reformen und eine völlige Neuausrichtung des Verteidigungs-
            ressorts bald im Raum standen. In der gesteigerten Bedeutung und Wahrscheinlich-
            keit  von,  nach  Diktion  des  Landesverteidigungsplanes,  regional  begrenzten  Kri-
            sen- und Neutralitätsfällen, konnten sich die Luftstreitkräfte und da allen voran die
            Luftraumüberwachung gut festsetzen, da sie auch mit den vorhandenen geringen
            Mitteln zu bewältigen war. So führte der Einsatz des Jahres 1991 zu einem auffallen-
            den Meinungsumschwung innerhalb des Militärs und der Öffentlichkeit, der letztlich
            die Luftstreitkräfte erheblich aufwertete und die Beschaffung einer Lenkwaffenbe-
            waffnung sowohl für die Abfangjäger als auch für die Fliegerabwehr ermöglichte.
            Darüber hinaus hatte der Einsatz gezeigt wie wichtig ein integriertes, alle Teile der
            luftspezifischen militärischen Struktur umfassendes System unter einem Kommando
            war. Es war dies die Geburtsstunde einer über mehrere Zwischenstufen schließlich
            doch erreichten, ersten „True Austrian Air Force“. 46


            2. Die Einsätze im Luftraum am Beispiel des
              ČSSR-Kriseneinsatzes 1968

               Betrachtet man die Entwicklung und die Bedeutung des österreichischen Luft-
            raumes in der Zweiten Republik, so sticht vor allem dessen Wahrnehmung während
            der verschiedenen Einsätze der Luftstreitkräfte hervor. Einerseits wurden durch die-
            se Mängel und Fehlentwicklungen aufgezeigt, andererseits aber auch Vorgänge und
            Bedrohungen im Luftraum der österreichischen Öffentlichkeit vor Augen geführt.
            Es wundert also nicht, dass die größten strukturellen und aufgabenbezogenen Ver-
            änderungen häufig innerhalb kürzester Zeit nach den Einsätzen erfolgten, da hier
            die politischen Willensbildungen am ehesten von der Öffentlichkeit wahrgenommen
            wurden.
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               Die Krisen der 1950er Jahre – allen voran der Ungarn-Aufstand 1956  – trafen


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               Korkisch, Die Luftstreitkräfte der Republik Österreich 1955 bis 2005, S. 281.
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                Zum Ungarnaufstand siehe u.a.: Géza Alföldy, Ungarn 1956. Aufstand, Revolution, Freiheitskampf,
               Heidelberg 1997; Eva Haraszti-Taylor (Hrsg.), The Hungarian Revolution of 1956. A Collection
               of Documents from the British Foreign Office, Nottingham 1995; Andreas Gémes, Austria and the
               1956 Hungarian revolution, Pisa 2008.
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